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Semlin / 2.1.2012

Die Küche ins Dorf bringen!
Es könnte so schön sein: Wanderer, kommst Du nach Semlin, kehre ein in eine Schänke… und genieße, was die umliegenden Felder, Wälder und der See an kulinarischen Köstlichkeiten so bieten. Wer in den letzten zehn, zwanzig Jahren dieser „Semliner Gebrauchsanweisung“ gefolgt ist, erlebte keinen regionalen Genuss, sondern oftmals ödes Industriefutter - mit Tiefkühlfilets aus dem Nordpazifik, Pommes und Kroketten aus dem Zentnersack und Kartoffelsalat aus dem Plasteeimer.
Fast unbemerkt hat sich in der Dorfstraße an diesem Zustand etwas geändert. Das „Little Café“ ist angetreten, die heimische Küche wieder ins Dorf zu bringen. Das kleine Häuschen, in dem vor dem Mauerfall reisende Ärzte ihre Sprechstunden abhielten, blickt auf eine wechselhafte jüngere Vergangenheit zurück und konnte sich auch mangels Seeblick nicht recht gegen die klassischen Adressen im Dorf durchsetzen. Oben am Dorfplatz gaben sich Thailand, Afrika und Italien die Klinke in die Hand - wie konnte eine Nische für das kleine grüne Ding mitten im Dorf aussehen?
Inhaberin Steffi Geddert und ihr Team haben sie gefunden. Sie sind nicht in die Ferne geschweift, sondern haben in der Nachbarschaft angeklopft, bei den drei lokalen Fischern Schöpp, Lehmann und Schröder; bei den Wildhändlern Voss und Oehme, dem Spaatzer Spargelhof und den umtriebigen Gemüsehändlern Martin Krause und Detlef Bier in Premnitz. Seit 2008 und mit zunehmend enthusiastischem Stammpublikum kämpfen die „Littles“ gegen die gastronomische Globalisierung, und wer ihren „Kulinarischen Kalender“ 2012 durchblättert, entdeckt viele regionale und saisonale Delikatessen, die es anderswo im Dorf nicht gibt. Die Premnitzer Knieperkohlwochen etwa gehen noch bis Ende Februar, dann stehen die Kraut- und Rübenwochen auf dem Programm. Brennesselsuppe und Maibowle leiten das Frühjahr ein, und noch vor dem Spaatzer Spargel holt Fischer Lehmann die ersten Havelkrebse aus dem Fluss. Holunder und Weidelamm, Quitten und Gänsebraten: Ach ja, ach richtig, so vielfältig und interessant ist ja eigentlich, was hierzulande in die Küche kommt - WENN es denn in die Küche kommt.
Dass dem „Little Café“ auch Begriffe wie „artgerechte Tierhaltung“ nicht unbekannt sind und neben wohlgefüllten Tellern auch noch viel handgemachte Musik und Gelesenes die kleine Gaststube füllen, ist fast zu schön, um wahr zu sein.
Höchste Zeit also, dafür zu sorgen, dass das kulinarische Kleinod sich auch wirtschaftlich in unserem Dorf halten kann: Durch einen umgehenden und häufigen Besuch und dörfliches Schlemmen!
www.little-cafe.de. Geöffnet täglich 12-24 Uhr; mittwochs zu.
Semlin / 21.8.2011
Badewiese? Baden gegangen!
Selbst bei Sonnenschein ist Semlins idyllische Badewiese derzeit kaum besucht. Der Grund: Das Ding ist abgesoffen! Über dem kurz gemähten Gras steht das Wasser schon ein paar Wochen 40cm hoch; die Weiden kriegen nasse Füße, und wer trotzdem in den See will, muss - pitsch, patsch - durch die Wiese waten. Die heftigen Regenfälle des Sommers sollen schuld sein; im benachbarten Rathenow stehen hunderte von Kellern unter Wasser, und jetzt, Ende August, soll mittels eines geohydrologischen Gutachtens nochmal genau geforscht werden, ob das alles noch normal ist. Von defekten Wehren, verstopften Gräben und Raubbau am wasserspeichernden Wald ist die Rede; eine Bürgerinitiative soll gegründet werden. Am Bauerndeich dagegen herrscht untypische Stille, und wer mutig durch die Wiese stapft und in den See springt, wird mit frischem, algenfreien und gar nicht mal so kühlem Wasser belohnt.
Semlin / 17.3.2011
Kunst in Kriele
Sieben Jahre nach ihrem Tod wird das lebenslange künstlerische Schaffen der Semliner Künstlerin Eva-Maria Neumann (1926-2004) noch einmal in einer Ausstellung gewürdigt. Die umtriebige Betreiberin der Krieler Papiermanufaktur Pappenstil, Petra Gottschalk, hat im Hause Neumann den umfang- und abwechslungsreichen Nachlass der gebürtigen Dresdnerin gesichtet und präsentiert mit Unterstützung von Frieder Neumann in ihrer Galerie in der Bahnhofstraße 4 in Kriele Arbeiten auf Papier, Keramik, Zeichnungen. Die Ausstellung ist vom 3.4. bis 15.5. für Vorangemeldete (telefonisch unter 033874/60041 oder eMail info@pappenstil.de) geöffnet.
Semlin / 17.3.2011
Singen und Sagen
Am 16. April um 16 Uhr liest der Semliner Zeichner und Sagensammler Eugen Gliege in der Kirche aus seinen regionalen Fundstücken zu Kirchen und Pastoren. Tochter Katharina begleitet mit irischen Balladen.
Semlin / 1.3.2011
Frisch gedruckte Dorfgeschichte(n)
Eben haben die Chronisten des Dorfs, Heike Brett und Martin Keune, die Lebensgeschichte des Axel Rudolph mit ihrer Recherchearbeit wieder ins Bewusstsein gerückt, da klopft schon das nächste Projekt an die Semliner Dorftüren: SEMLINER HEFTE ist der Name einer kleinen und trotzdem ehrgeizigen Veröffentlichungsreihe. In einer vierteljährlichen Folge präsentieren kleine Büchlein Geschichten und Geschichte aus dem Dorf - für einen erschwinglichen Preis von nur 2 Euro pro solide gedrucktem Exemplar.
Die ersten drei Büchlein der SEMLINER HEFTE liegen schon vor - im "Semliner Krug" erzählt Martin Keune die im Dorf wohlbekannte Geschichte vom "Eiersegen" neu und vollständig und fügt der dörflichen Sage ein paar weitere Märchen und Anekdoten aus dem Dorf bei. In Heft No. 2, "Mühlenmeister Bading", verfolgt Heike Brett das Werden und Wirken der Semliner Windmüller-Familie Bading und die Geschichte der drei Windmühlen am See.
Das nächste SEMLINER HEFT ist eben erschienen. Diesmal haben Brett und Keune sich auf den Weg um den See gemacht - und legen ein kompaktes kleines Wanderbuch vor, das handlich und vollständig erstmals alle Sehenswürdigkeiten, historischen und landschaftlichen Hinkucker auflistet, die rund um den See zu finden sind.
Semliner Kochrezepte, ein Semliner Krimi oder die Geschichte der Ziegeleien: Weitere SEMLINER HEFTE sind in Planung. Alle sind im Semliner Ferien- und Freizeithof Rausch zu kaufen - oder in der Rathenower Buchhandlung Tieke. Und wer keins der Hefte verpassen will, sichert sich jetzt die folgenden Ausgaben im Abonnement! >ZUM ABO-FORMULAR
Der Semliner Maler und Medienkünstler Helmut Neitzel war vom ersten der "Semliner Hefte" so angetan, dass er das Märchen gleich zu einer Hörspiel-CD machte, von der wir hier eine kleine Hörprobe präsentieren. Die CD kann bei Helmut Neitzel (hneibrb (at) freenet.de) und im Ferien- und Freizeithof Rausch für 3 Euro gekauft werden. Der Erlös unterstützt das Heftprojekt!
Hier ein Ausschnitt aus "Der Semliner Krug":
Semlin / 2.9.2010
Prost Wikinger
Erinnert sich noch einer an die Schiffstaufe der "Freyja" anno 2001? Das 15m lange Holzboot nach alten Plänen, das Dieter Falke mit den arbeitslosen Premnitzer Jugendlichen gebaut hatte? Idealismus, ja: Entdeckerfreude durchwehte das Projekt - irgendwie brach da eine darbende Region zu neuen Ufern auf. Das hatte tatsächlich etwas Wikingerhaftes, etwas Zukunftsgreifendes.
Hinter diesem anfänglichen Idealismus blieb die tatsächliche Nutzung des Schiffs von Anfang an weit zurück. Hochzeiten, Ausflüge gingen mal an Bord, aber ein Publikumsmagnet wurde die "Freyja" nicht. Fehlendes Marketing? Nachlassende Euphorie? Auch der Semliner Gastronom Heiko Zirk scheint mit dem Schiff keine schwarzen Zahlen geschrieben zu haben; zwei Jahre nach der Übernahme hat er nun das gemacht, was man heutzutage mit unrentablen Objekten zu machen pflegt: Er hat das Schiff bei eBay versteigert.
So findet die "Freyja" in Düsseldorf einen neuen Hafen. Beziehungsweise: Eine neue Standfläche. Denn als rollendes Getränkeunikum dümpelt der Kahn künftig auf dem Weihnachtsmarkt herum. Da können dann Besucher Met aus Hörnern saufen und sich über den robusten Bau des neuen Bierwagens freuen.
"Sic transit gloria mundi" ist kein Wikingerspruch, sondern Latein; es heißt "so vergeht der Ruhm der Welt". Die Wikinger haben dem Dorf den Rücken gedreht; die Bockwindmühle wurde schon in den Sechzigern abgerissen. Und wir Zurückgelassenen hoffen, dass wenigstens die Kirche im Dorf bleibt und sich nicht irgendwann mangels Besuchern auf einem digitalen Schnäppchenmarkt zum hölzernen Sauf-Gaudi machen lässt.

Semlin / 1.8.2010
Der Eiersegen – neu entdeckt
Schon das selbstgedruckte Cover der CD sieht aus wie ein Bummel durchs Dorf – Alfred Mantau, Rolf Bading, Ulf Pahling, Kita-Mutter Ingrid Schmidt und viele andere bekannte Gesichter zieren den Titel des Projektes, das der Semliner Maler Helmut Neitzel rechtzeitig zum Dorffest vorgestellt hat: Die CD "Der Semliner Eiersegen", ein prallvolles Hörbuch aus dem Dorf. Auf 80 kurzweiligen Minuten kommen Stimmen aus dem Dorf zu Wort - mit Liedern, Texten, Anekdoten. Und immer wieder mit dem "Eiersegen", einem Gedicht, das der dichtende Ingenieur Heinrich Seidel (1842-1906) aus einer in mehreren Fassungen überlieferten alten Semliner Sage schuf.
Die CD, die für 5 Euro käuflich erworben werden kann, ist ein lebendiger und liebevoller Blick aufs Dorf am See - und ein ambitioniertes Stück Arbeit, das Helmut Neitzel beherzt und mit viel Eigeninitiative absolviert hat. Ein Muss für alle Semliner Haushalte... und ein Riesenspaß für jeden Besucher!
Helmut Neitzel ist per Mail erreichbar unter
hneibrb@freenet.de .
Einen Überblick über sein malerisches Schaffen gibt es hier

Semlin / 1.8.2010
Eichenbaum mit Krabbelsack
Oben im Rhinower Ländchen sieht es schon verheerend aus; diesseits des Sees sind bisher zum Glück nur vereinzelt erste Schäden festzustellen: Der trockene Sommer sorgt für ein gutes Jahr für Eichenprozessionsspinner. Die nachtaktiven Falter befallen Stiel- und andere Eichen. Zu erkennen ist die Schädigung an den weißlich verfärbten, zusammengekrümmten Blättern.... und an den ekligen, bis zu einem Meter großen Raupensäcken, in denen hunderte oder tausende von Raupen auf ihren Einsatz warten. In meterlangen Prozessionen wandern die gefräßigen Tiere dann über den Baum bis zu dessen völliger Entlaubung.
Während sich die Eichen meist vom Befall erholen, sorgt der Eichenprozessionsspinner noch für ganz anderen Schaden: Am Menschen nämlich. Für den sind die anfallenden, oft über Jahre angereicherten Brennhaare ein echtes Problem, das zu gravierenden, brennesselartigen, aber mitunter Wochen anhaltenden Hautschäden führen kann. Einatmen der Brennhaare kann bis zum Asthma führen.
Eine effektive Lösung des Problems ist noch nicht in Sicht. Die Raupensäcke sollten wegen der unsichtbaren Brennhaare nur vom Fachmann entsorgt werden - und unter befallenden Bäumen sollte man Boden und Büsche nicht mit nackter Haut berühren. Bleibt zu hoffen, dass die natürlichen Feinde des Falters - Raubvögel, vor allem auch Wespen und Fledermäuse - das Problem in absehbarer Zeit in den Griff bekommen!





